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Die "Japan Shop" Messe 2012

by welkamro

An was denkt der Deutsche zuerst, wenn er das Wort „ Messe“ hingeworfen bekommt? An überfüllte, riesige Hallen? Schwitzende Menschen, eingepackt in enge Werbe-T-Shirts? Marktschreierische Standhostessen? Wahrscheinlich werden bei den meisten Leuten gleich alle drei Begriffe fallen.
Da auch ich mich nicht ganz losreißen kann von all diesen Klischees, werde ich heute mal gucken, wie eine Messe im knapp 9000 Kilometer entfernten Japan aussieht. Da das Gedrängel der Menschenmassen im Zentrum des tokioter Stadtteils Shibuya zu ziemlich jeder Tageszeit jede CeBIT in den Schatten stellt, war ich auf alles gefasst.

Die „Japan Shop“ Messe, die sich jährlich in Tokios protzigen Messegelände „Big Sight“ einquartiert, zeigt dem geneigten Besucher, was man heutzutage als japanischer Geschäftsmann unbedingt im Laden stehen haben muss: Leuchtende Plastikblumen, Wände aus Wasser, blinkenden Schilder – alles mögliche an Laden- und Schaufensterbedarf wartet nur darauf, von den Besuchern mit vielen „ohhh“s und „ahhh“s bestaunt zu werden.

Wo wir grade beim Thema sind: Besucher der Messe ist nicht jeder Hinz und Kunz, sondern vorrangig Leute aus der Wirtschaftsbranche. Dementsprechend ist auch das Publikum: Die meisten Besucher kommen im feinen Zwirn, ich hingegen falle mit meiner Jeans (wahrscheinlich negativ) auf.

Am Eingang steht ein großes Schild, auf dem freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen wird, bitte nicht zu telefonieren oder fotografieren. Und hier entdecke ich eine interessante Gemeinsamkeit deutscher und japanischer Messebesucher: Beide scheinen diese Art von Schildern konsequent zu ignorieren. Da nützt auch der japanische Mitarbeiter wenig, der durch die Halle läuft und mit einem großen Holzschild in der Hand noch einmal darauf hinweist, dass man bitte keine Bilder machen soll: Sobald er außer Sichtweite ist, holen die Leute die Fotoapparate heraus. Auch das Handy klebt bei den meisten „BusinessMen“ wie ein Magnet am Ohr fest.

Doch der größte, und in meinen Augen auch gleichzeitig der überraschendste, Unterschied ist: Keine riesigen Menschenmassen, kein Gedrängel, kein Geschubse. Und das in Tokio!!
Wenn ich zurückdenke an die Menschenmassen der Frankfurter Buchmesse, von denen man wie auf Schienen durch die Messe geschoben wird, kann man sich hier relativ frei bewegen. Dabei sei allerdings auch noch einmal erwähnt, dass sich die „Japan Shop“ Messe nicht an die breite Masse richtet, sondern an ein Fachpublikum.

Auch die Messehalle ist viel kleiner der deutsche Messegänger gewohnt ist. Muss man sich in Deutschland meist durch unzählige, containerartige Hallen pressen, hat die „Japan Shop“-Messe gerade einmal eine halbe. Die andere Hälfte nimmt die „Architecture & Construction Materials“ Messe ein. Damit auch bloß keine Verwechslungsgefahr besteht, wird die Halle genau in der Mitte getrennt, in einen roten Bereich (Japan Shop) und in einen grünen Bereich (Architecture & Construction). Selbst der Teppichboden, der in der Mitte liegt, ist auf der einen Seite rot, und auf der anderen grün (s. Foto). Man kann also theoretisch gleichzeitig auf zwei Messen sein, stellt man je ein Bein auf eine Seite.

Vor den einzelnen Messeständen stehen, ähnlich wie in Deutschland, Messehostessen, die die Besucher an den jeweiligen Stand locken sollen. In Deutschland würde die Tasche bereits nach zehn Minuten eine Tonne wiegen, würde man alle Kataloge und Broschüren mitnehmen, die einen die freundlichen lächelnden Hostessen zustecken.

In Japan sieht das Bild kaum anders aus. Ich, als Gaijin (Ausländer), werde zwar meist verschont, alle anderen bekommen aber, sobald sie nur den Anflug von Interesse an einem Stand zeigen, sofort etwas in die Hand gedrückt.
Was die Hostessen angeht, gibt es in Japan anscheinend nur eine Regel: Je kürzer der Rock, desto größer das Interesse an dem Stand. Während man in Deutschland oft bemüht lächelnde Studentinnen sieht, oft auch in schicker Business-Kleidung, sieht man im Land der aufgehenden Sonne im Manga-Stil gekleidete Mädchen mit kurzen Röcken und hohen Stiefeln. Doch gerade weil in Japan Geschäftliches Männersache ist (daher auch nur wenig Frauen unter den Besuchern), ist die Idee mit den luftig gekleideten Mädchen vielleicht gar nicht so blöd. Wer kann da schon „Nein“ sagen, und ehe man sich versieht, hat man wieder dreißig Flyer mehr in der Hand.

Aufmachung der Broschüren ist so in Deutschland sicherlich auch eher unüblich: Statt netter Bilder, verpackt in Standard-Werbetext, gibt es die in Japan beliebten Manga-Comics, die erläutern sollen, warum das Produkt so wichtig ist.
Da die Popularität dieser Comics hier weiterhin ungebrochen ist, sicherlich eine effektive Variante, die in Deutschland wahrscheinlich eher für Kopfschütteln sorgen würde.

Die Stände selbst könnten unterschiedlicher nicht sein. Von elegant-einfarbig bis hin zur Mini-Disco, von einfach bis aufwändig: Hier versucht jeder auf eine andere Art, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken (falls die Hostessen es einmal nicht schaffen sollten). Wichtige Regel für das japanische Business: LICHT! Wer einmal bei Nacht durch die Straßen Tokios gewandert ist, und bei all dem grellen Licht der Leuchtreklame fast einen Knoten im Sehnerv bekommen hat, weiß, was gemeint ist.
Wer also nicht die passende Beleuchtung an sein Geschäft pappt, geht gnadenlos unter. Dementsprechend viel wird hier damit geworben. Einige Stände glitzern und leuchten so stark, dass man sich nach der Besichtigung kurz erst einmal hinsetzten muss, und etwas frische Luft braucht.

Ansonsten stecken viele Firmen, wie auch in Deutschland, viel Geld und Arbeit in schöne Stände. Das zeigt, dass auch hier in Japan die Messe zu einem wichtigen Werbeinstrument geworden ist.
Das sind nun meine ersten Eindrücke von japanischen Messen. Ich merke jetzt schon, dass es hier einiges zu Entdecken gibt, wenn man es Entdecken will. Also mal schauen, was die nächsten Messen anbieten.

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